MO 27.10. · 02:30. Der Raum wurde still, als sie eintraten. Elisabeth ging einen halben Schritt vor. Samuel blieb versetzt hinter ihr. Alicia stand seitlich, abwägend.
„Wir kommen nicht, um Ansprüche auf Köln zu erheben. Und wir kommen nicht, um euch zu maßregeln."
„Ihr habt eine Bedrohung beseitigt. Ihr habt gehandelt. Und eure Handlung wurde als angemessen eingestuft."
Ihr Angebot: Übersiedlung ins Ruhrgebiet. Ausbildung unter camarillistischer Aufsicht. Ein eigenes Jagdgebiet in Essen nach erfolgreicher Integration. „Nicht als Geschenk. Sondern als Verantwortung."
„Welche Kräfte des Sabbat waren konkret involviert? Habt ihr ein Rudel zerschlagen? Einen Priester ausgeschaltet?" Seine Stimme bleibt sachlich. Nur prüfend.
„Oder — war es gar nicht der Sabbat? Vielleicht waren es Anarchen. Frankfurt ist nicht weit."
Sie sah JJ nicht an — nur Elisabeth. „Überzeugungsarbeit."
„Nein."
Das Wort stand noch im Raum. Elisabeth erstarrte. „Wie bitte? Ihr verweigert die Verfügung eines Prinzen? Das ist politischer Irrsinn."
Samuel musterte Elisabeth. Ein schmales, fast unsichtbares Lächeln. Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
„Doch, Elisabeth. Ich verstehe, was das bedeutet. Und ich werde daher nicht nach Dortmund zurückkehren."
Er schaut Patrick an. „Ich erzähle euch keine Scheiße. Wir bleiben in Kontakt." Und er verlässt den Raum.
Alicia blieb — vorübergehend, wie sie sagte. Elisabeth blieb ebenfalls — nicht aus Überzeugung, sondern weil Jasmin sich ihrer annahm. Die beiden sprachen. Was danach war, war keine Kapitulation: Elisabeth bot ihre Unterstützung an.
MO 27.10. · 04:45. Das KölnTriangle erschien der Gruppe zu exponiert — zu unsicher. Sie wichen in den Bunker unter dem Hauptbahnhof aus. Dort waren sie nicht allein.
Sie wollte ein Schönheitselixier entwickeln.
Die drei Nosferatu erkannten die Situation sofort als Gelegenheit, sich aus ihrem bisherigen Machtgefüge zu lösen und in Köln neu zu positionieren.
Ihr Angebot: Informationen, Zugang zu Netzwerken, Unterstützung im Untergrund. Im Gegenzug: Schutz, Duldung, die Möglichkeit, sich dauerhaft in Köln anzusiedeln. Eine Hand wäscht die andere.
MO 27.10. · 20:55. Hans meldete: Ein junger Mann stehe unten und wolle dringend reden.
„Bitte — ihr müsst euch irgendwie verstecken… Dieser Roth wollte mich gestern über die Klinge springen lassen. Hat auch kein gutes Haar an euch gelassen. Ich glaube, der hat euch aufm Kieker."
„Konrad will mich jetzt vernichtet sehen, weil ich euch geholfen habe. Ich konnte gerade noch so fliehen."
Hier ist Radio Köln mit einer Eilmeldung. Köln steht unter Schock.
Vor wenigen Minuten ist es im historischen Gürzenich zu einem brutalen Gewaltverbrechen gekommen. Nach aktuellen Informationen wurden dort der Leiter der Kölner Polizei Jürgen Beck sowie zwei Mitarbeiter der Stadt Köln getötet. Die Opfer befanden sich offenbar bei einem Treffen in einem abgeschlossenen Bereich des Gebäudes.
Besonders rätselhaft: Nach Angaben der Ermittler gab es am Tatort kaum Hinweise auf Gegenwehr. Die Polizei fahndet nach einem männlichen Tatverdächtigen, der unmittelbar nach der Tat mit einem Fahrzeug mit Frankfurter Kennzeichen geflüchtet sein soll. Der mutmaßliche Täter: etwa 40–50 Jahre, schlank, strenges Gesicht, dunkler Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte.
Dahinter steckte Dr. Roth — ein ehemaliges Gruppenmitglied, der nun offen und kompromisslos agierte. Im Gürzenich wurden der Polizeichef und zwei weitere Personen unter mysteriösen Umständen ermordet — ohne erkennbare Gegenwehr.
MO 27.10. · 23:00. Wieder die Cafeteria der Uniklinik. Naya, Lissy, Bran.
„Das Problem ist — wenn Köln wirklich frei wird, bleibt es nicht lange frei. Ruhrgebiet kommt zurück. Düsseldorf kommt zurück. Paris schickt jemanden."
„Es sei denn," sagt Bran ruhig, „jemand stellt sich vorher dazwischen."
Der Preis für militärische Unterstützung aus Frankfurt:
Bran lehnte sich zurück. „Ihr behaltet eure Stadt."
Eine kleine Pause. „Wollt ihr Köln wirklich behalten?"
Ebenfalls in dieser Nacht: Eine Einladung wurde übergeben — von William H. Hunter.
Etwas drängt in deinen Geist. Der Geruch von Ölfarbe und Terpentin. Die Wahrnehmung wird von einer Sequenz überlagert.
Ein Atelier. Der Dom im weiter Ferne durch die Fenster. Hohe Industrie-Fenster, kaltes Neonlicht von draußen. Leinwände stehen überall im Raum. Auf jeder einzelnen: Der Kölner Dom.
Manche Bilder sind nur Skizzen. Andere wirken verzerrt, als hätte jemand versucht, sich an etwas zu erinnern — und wäre daran gescheitert.
In der Mitte steht eine Frau. Sie malt schnell, fast zwanghaft. Dom. Neue Leinwand. Dom. Neben ihr stapeln sich Dutzende Versionen desselben Motivs.
Dann hält sie inne. Langsam dreht sie den Kopf. Ihre Augen schauen direkt in deine Richtung.
„Der Traum lebt — und ich bin da."
Die Vision bricht ab.