SA 25.10. · 23:00. Um 01:00 Uhr morgens öffneten sich die Aufzugtüren erneut. Die Abordnung aus Dortmund betrat den Raum.
„Wir haben euren Bericht erhalten." Kein Gruß. Sein Blick wandert über jeden von euch. „Bevor ich entscheide, was aus euch wird — erzählt noch einmal, was passiert ist."
Er öffnet seine Aktentasche ruhig. Ein schmales Glasröhrchen erscheint zwischen zwei Fingern. „Als erstes hätte ich gerne von jedem von euch eine Blutprobe, um zu ermitteln, dass ihr nichts getan habt, was gegen die Traditionen verstößt."
Warum auch immer sie da war — und warum auch immer der Prinz der Meinung war, sie solle nach Köln.
Ohne auch nur einen Moment nachzudenken weiß Amira: Es wäre die denkbar schlechteste Wahl, freiwillig ihr Blut einem Tremere zu übergeben.
Tiberius verstärkt den Befehl. Und wieder — nichts. Er tritt einen Schritt zurück. „Das hätte funktionieren müssen."
Gunthers Kiefer spannt sich kurz an. „Was habt ihr getan?"
Tiberius schließt sein Etui. Das leise Klicken klingt lauter, als es sollte. „Wir hören hier auf."
Als Tiberius dich ansieht, weißt du, was kommt — woher auch immer du das weißt. Der Druck ist sauber. Geübt. Ein Tremere, der Kontrolle gewohnt ist.
Der Impuls trifft dich. Und prallt ab. Einfach — wirkungslos.
Tiefer. Unter deiner eigenen Vitae. Etwas Dichteres. Schwereres. Nicht dein ursprüngliches Blut. Seines. Der Puls unter Köln. Ein Hauch von kalter, uralter Macht in deinen Adern.
Als Tiberius sagt: „Das hätte funktionieren müssen" — weißt du: Er spürt es. Er weiß nur noch nicht warum. Und wenn er es versteht, wird sich seine Stimmung verändern.
Am Ende bleibt nur eine Einigung: „Egal was ihr macht — niemand außerhalb dieses Raums darf erfahren, was ihr berichtet habt. Und schon gar nicht der Archont."
INTERREGIONALE KOORDINATIONSSTELLE PARIS — Betreff: Neubewertung Status — Risiko reduziert auf Orange 1
Unter Bezugnahme auf die Rückmeldung aus dem Ruhrgebiet vom 23.10.2025 wird festgestellt, dass die Liegenschaft Köln wieder als nachttauglich eingestuft wurde. Die durch Terroristen verursachte Krankheit wurde eingedämmt und die Verantwortlichen nachweislich zur Rechenschaft gezogen.
Die ursprünglich avisierte Ankunft externer Gutachter inkl. Ergänzungspersonal verzögert sich daher um voraussichtlich 2–3 Wochen. Maßgeblich für diese Entscheidung ist die gemeinsame Einschätzung der zuständigen Verantwortlichen für das Ruhrgebiet und Düsseldorf.
Bestätigt durch: Armand Gabriel Duval · Signal ID: FR-BBK-N3-1125-0521
Hans wartete, bis alle wach waren, und legte dann das Laptop auf den Tisch. Keine Einleitung.
„11:42 Uhr. Heller Mittag. Die Lobby des KölnTriangle wirkt ruhig, geschäftig, belanglos. Die Drehtür wird mit einem Ruck aufgestoßen. Ein Trupp von vielleicht zehn, zwölf Männern drängt herein. Masken. Springerstiefel. Schwarze Bomberjacken. Einige tragen Baseballschläger, andere Teleskopschlagstöcke."
„11:49 Uhr. Ein Mann mit roten Schnürsenkeln tritt vor eine Kamera im 17. Stock. Er blickt direkt hinein. Er hebt zwei Finger an die Stirn — ein kaum merkliches Zeichen — und schlägt dann die Kamera aus dem Bild."
„In der Lobby treffen sie wieder zusammen. Mit roter Farbe schmiert einer auf eine Glasfront: Schlafschafe sind Opfer."
„11:59 Uhr. Die Polizei trifft ein."
Koordiniert, professionell, klar inszeniert. Kein Zufall. Kein gewöhnlicher Vandalismus.
SO 26.10. · 20:00. Während die anderen im Triangle blieben, traf sich Erich allein mit Élise im Reineke Fuchs.
„Du siehst gut aus. London stand dir." Eine Pause. Besteck klirrt am Nebentisch. „Es ist lange her."
„Du warst immer gut darin zu gehen. Andere sind geblieben."
„Du hast Deutschland verlassen. Du hast unseren Vater allein gelassen, nachdem er mich für dich hat fallen gelassen."
„Isabelle d'Aubigny." Ihr Blick wird schmal. „Du warst nie nur Bote, Aarons. Du warst — willkommen. Und was war ich in diesem Bild?"
Schließlich kam sie zum Kern ihrer Frage:
„Sag mir eines. Wirst du diesmal bleiben? Oder wartest du wieder auf den richtigen Moment zu gehen? Das hast du 1935 auch gesagt."
„Wenn wirklich etwas unter Köln verborgen ist — dann will ich wissen, ob du wenigstens diesmal hinter mir stehst und ob du mich unterstützt, in dieser Stadt zu herrschen."
SO 26.10. · 22:30. Die Cafeteria ist halb gefüllt. Pflegepersonal in Pause. Müde Studenten. Kaffeemaschinen zischen.
„Wir wollten kein Theater." Bran dreht sich langsam um. „Hier hört keiner zu."
Ein weiterer Mann setzte sich dazu — ungefragt, als wäre es selbstverständlich.
„Ruhrgebiet schickt Leute, denke ich mal. Düsseldorf auch. Ein Archont sei unterwegs, munkelt man."
„Also — bevor die Camarilla euch erklärt, was ihr denken sollt — wollten wir euch fragen: Was ist hier wirklich passiert? Und was denkt ihr, wie es weitergehen soll?"