DO 30.10. · 18:00. Hans steht bereits im Triangle, als die Gruppe eintritt. Kein Papier, keine Unordnung — nur ein Tablet in seiner Hand. Er hebt kurz den Blick, nickt zur Begrüßung und wischt einmal über den Bildschirm.
„Ich habe die aktuellen Berichte des Tages zusammengetragen."
„Mehrere Medien berichten über die Rheinische Urban Capital GmbH. Im Fokus steht der geplante Ankauf des Triangle. Hervorgehoben werden die Geschwindigkeit des Vorgangs sowie unklare Eigentümer- und Finanzierungsstrukturen. Es gibt Hinweise auf mögliche Verbindungen in wirtschaftliche Netzwerke im Ruhrgebiet. Offizielle Stellen äußern sich dazu nicht."
„Parallel dazu gibt es Berichte aus dem Umfeld der Ermittlungsbehörden. Petra Kuhnert soll persönlich in den Vermisstenfall von Merlin Hohenfels eingegriffen haben. Der Vermisste wurde zuletzt bei einer Veranstaltung in Ehrenfeld gesehen. Interne Stimmen bezeichnen das Vorgehen als ungewöhnlich. Stellungnahmen liegen nicht vor."
„In Marienburg kam es in der vergangenen Nacht zu einem Einbruch in eine Villa. Mehrere Täter verschafften sich Zutritt, während sich die Bewohner im Haus befanden. Im Verlauf des Vorfalls fiel mindestens ein Schuss. Die Täter konnten fliehen."
„Zusätzlich gibt es einen Kommentar zu den Bauarbeiten an St. Andreas. Die Maßnahmen werden offiziell als Renovierung geführt. In der Berichterstattung wird auf kurzfristige Planung, unklare Genehmigungsprozesse und fehlende Transparenz hingewiesen."
„Das sind die relevanten Entwicklungen des Tages."
Das Tablet senkt sich. Hans bleibt ruhig stehen, das Gerät locker in der Hand — bereit für weitere Fragen, die niemand stellt.
DO 30.10. · 19:00. Das Handy klingelt. Milo. Seine Stimme ist leiser als sonst, leicht nervös.
„Hi… ich bin mir ziemlich sicher, dass ich weiß, wo ihr letzte Nacht wart."
„In Marienburg gab es einen Einbruch bei der Familie Feldkamp. Der Geschäftsführer der Colonia Vermögensverwaltung — also genau die Firma, der das Triangle gehört."
„Zeugen haben einen Range Rover gesehen, der ebenfalls auf die Firma läuft. Die Polizei prüft inzwischen intern, ob das Ganze mehr ist als ein Einbruch — eher in Richtung wirtschaftskriminelle Verstrickung."
„Feldkamp und seine Firma stehen damit gerade ziemlich im Fokus… und alles, was damit zusammenhängt."
„Und das betrifft euch jetzt wahrscheinlich auch. Das Triangle ist aktuell… sehr sichtbar."
DO 30.10. · 19:30. Amélie betritt das Triangle. Ruhig, vollkommen gefasst. Jede Spur früherer Unsicherheit ist verschwunden — kontrolliert, distanziert, ganz auf Linie ihrer Herrin.
Ohne Umschweife überbringt sie die Botschaft: Die jüngsten Ereignisse — das Verschwinden von Merlin Hohenfels, die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit, die wachsende Instabilität — werfen Zweifel an der aktuellen Führung des Triangle auf. Vor allem im Hinblick auf die Sabbat-Bedrohung.
Sollte keine Stabilisierung erkennbar sein, werde Garnier alternative Strukturen in Betracht ziehen. Gleichzeitig signalisiert sie die Bereitschaft zu einer kooperativen Lösung — verbunden mit der Erwartung, zeitnah zu erfahren, wie das Sabbat-Problem gelöst werden soll.
Amélie wartet keine Antwort ab. Sie hat keine zu verhandeln.
DO 30.10. · 20:00. Während Amélie nach draußen begleitet wird, kommt Wallenberg ins Triangle. Angespannt. Er geht hoch zu den Spielern und berichtet ohne Vorrede.
Das Treffen ist eskaliert. Johannes Feldkamp ist unter Verweis auf den Einbruch und den zunehmenden Druck zurückgetreten und hat Dr. Leonhard Weiss als Nachfolger eingesetzt.
Danach hat Al-Karim Capital Advisory GmbH das Angebot der Rheinische Urban Capital GmbH deutlich überboten. Es kam zu offenen Vorwürfen und einem spürbaren Bruch zwischen den Parteien.
Kein Abschluss. Neue Führung. Und zwei Seiten, die sich inzwischen offen misstrauen.
DO 30.10. · 21:24. Milo ruft erneut an. Über den internen Polizeifunk hat er eine Meldung aufgegriffen.
Der Lebensgefährte von Dr. Leonhard Weiss — ein Mann namens Weber — wurde offenbar entführt. Weiss ist seit wenigen Stunden CEO der Colonia. Direkt mit dem Triangle verbunden.
Der Vorfall wirkt ungewöhnlich kontrolliert: Ein dunkler SUV mit Frankfurter Kennzeichen hat Webers Wagen im Verkehr gestoppt. Zwei Personen sind ausgestiegen, haben ihn angesprochen — und er ist ohne sichtbaren Zwang zu ihnen ins Fahrzeug gestiegen. Danach sind sie gemeinsam verschwunden.
Sein Mercedes blieb auf der Straße zurück und hat den Polizeieinsatz ausgelöst.
Keine Gewalt. Keine Forderungen. Kein Chaos. Der Ablauf wirkt geplant und sauber durchgeführt.
DO 30.10. · 22:10. Patricks Handy klingelt. Krüger.
Der Anruf wird als „Missverständnis" eingeleitet, das sich schnell klären ließe — andernfalls werde die Entführung einer Schlüsselperson Konsequenzen haben. Dr. Weiss wird als unantastbar dargestellt wobei die Gruppe nicht weiß warum plötzlich von Dr. Weiss die Rede ist wo doch Herr Weber vermisst wird und woher Krüger das weiß
Die zentrale Forderung: sofortige, unversehrte Freilassung und Einstufung des Vorfalls als einmaliger Fehler. Verantwortlichkeiten oder Erklärungen werden ausdrücklich als irrelevant bezeichnet.
Die Vorwürfe richten sich direkt an die Spieler — die selbst kein Wissen davon haben, wovon überhaupt gesprochen wird.
DO 30.10. · 22:20. Die Spieler rufen Élise an — nicht als Bittsteller, sondern als diejenigen, die Antworten verlangen.
Was sie dort finden, ist keine Intrige, kein kalkuliertes Spiel. Élise hört zu — fahrig, aber mit wachsender Distanz. Zahlen, Transaktionen, wirtschaftliche Verflechtungen sind nicht ihr Ding. Es langweilt sie, überfordert sie. Das ist nicht ihr Feld. Nicht ihr Spiel.
Und dann lenkt sie den Blick weiter — hin zu einem Namen, der Gewicht hat:
Rashid al-Karim.
Ein Mann, der sich mit Dingen beschäftigt, die sie bewusst meidet. Er residiert im Excelsior.
DO 30.10. · 22:45. Das Hotel ist ruhig, elegant, beinahe steril. Prunk und gediegene Atmosphäre. Rashid ist mit Dr. Weiss im Gespräch, als die Spieler eintreten.
Weiss wirkt nicht wie ein Mann in Gefahr. Kein sichtbarer Zwang. Keine Panik.
Die Wahrheit entfaltet sich langsam: Weiss hat keine Idee, was passiert ist. Was mit seinem Lebensgefährten geschehen ist. Er ist nur verwundert. Al-Karim schickt ihn hinaus, um ohne Menschen sprechen zu können.
Webers Entführung war ein Druckmittel — eingesetzt von Krüger aus dem Ruhrgebiet, um Weiss unter Kontrolle zu bringen. Doch Rashid war schneller. Er nutzt die Situation, um Weiss seinerseits unter Kontrolle zu bringen. Nicht durch Gewalt. Durch Einfluss. Durch Präsenz. Durch Macht.
Zwei Kräfte greifen nach demselben Mann.
Amira folgt Weiss nach draußen. Sie spricht auf ihn ein. Schildert ihm, in welcher Gefahr er sich befindet.
Weiss versteht. Und tritt zurück. Sofort. Ohne Übergang. Ohne Nachfolger.
Ein Satz, der mehr zerstört als jede Gewalt in dieser Nacht. Denn mit diesem Schritt entsteht ein Vakuum.
Die Führung der Colonia liegt nun beim Aufsichtsrat. Unklar. Offen. Umkämpft.
Die Spieler haben einen Menschen befreit. Rashid hat keinen Hebel mehr. Krüger hat keinen Hebel mehr. Der Angriff auf das Triangle ist abgewehrt — die Colonia ist nicht mehr handlungsfähig.
FR 31.10. · 00:05. Milo schickt einen frischen Link. Kanal: BlackDogCinema. Titel: „31.10 – 00:00 – Black Dogs – Köln – Kirchenkritik Nr. 1".
Das Video zeigt die Krypta von St. Andreas — genau den Ort, den ihr kennt. Ein Priester liegt auf einem Sarkophag, sichtbar verletzt, ein okkultes Symbol in die Brust geritzt. Hinter ihm steht ein tätowierter Mann mit einer Klinge an seiner Kehle.
Die Botschaft ist klar: Solange der Priester lebt, werden Menschen, die die Kirche betreten, leiden — nicht offen, sondern durch „Zufälle". Eine religiös aufgeladene Drohung, verstärkt durch Gewalt und Andeutungen weiterer Beteiligter im Hintergrund.
Am Ende richtet sich die Ansprache direkt an die Gruppe: eine Herausforderung, ein Ultimatum. Ihr seid jetzt Teil davon.
FR 31.10. · 00:30. Die Krypta von St. Andreas ist still, als die Gruppe mit Verstärkung eintritt — gemeinsam mit Jasmin, Naya, Lizzy, Vossy und Bran. Neun Kainiten in einer Kirche.
Es ist still. Zu still. Kein Zeichen mehr von ihnen. Keine Bewegung. Nur Dunkelheit — und das fahle Licht zweier Handy-Taschenlampen.
Zwei junge Männer. Verunsichert, überfordert. Einer kniet beim Priester, der andere wirkt erleichtert, euch zu sehen. Sie reden von Neugier, von einem Video, von einer dummen Idee.
Der Priester lebt. Schwach. Klar genug, um zu sprechen. Er bittet um Hilfe, um einen Krankenwagen. Seine Worte sind rational. Greifbar. Menschlich.
Und dann die Brust. Die Runen. Frisch. Roh. Zwei Muster, die nicht zusammenpassen — und doch gleichzeitig wirken. Etwas Offenes. Etwas Störendes. Und darunter etwas, das sich widersetzt: Schutz gegen Einfluss.
Ein kurzer Moment, in dem die Wahrnehmung kippt. Nähe fühlt sich falsch an. Raum verschiebt sich — nur für einen Augenblick.
Dann der erste Bruch. Der junge Mann taumelt, stolpert zurück — ein falscher Schritt, ein hartes Geräusch. Das Knacken ist eindeutig. Zu eindeutig. Sein Schrei bleibt im Raum hängen.
Und dann die Nische. Drei Körper. Bauarbeiter. Einfach abgelegt. Bedeutungslos.
Ab hier zerfällt jede Klarheit.
Jasmin ist sofort bei den Jungen, versucht Ordnung in das Chaos zu bringen. Bran sichert nach oben, wachsam, angespannt. Niemand bewegt sich wirklich weiter. Niemand trifft eine Entscheidung.
Zu viele Fragen. Ist das real? Ist das Teil davon? Was passiert, wenn sie ihn lösen? Was passiert, wenn sie es nicht tun?
Der Priester atmet. Lebt. Ist Opfer. Und gleichzeitig Mittelpunkt von etwas, das bereits wirkt. Ein Fluch? Eine Drohung? Eine Inszenierung?
Die Stimmen werden leiser. Vorsichtiger. Zweifel sickert in jede Bewegung. Niemand will derjenige sein, der es entscheidet — nicht, solange es noch eine andere Option geben könnte. Nicht, solange man sich einreden kann, dass es vielleicht nicht so schlimm ist. Nicht, solange Verantwortung noch vermeidbar ist.
Bis Patrick sich bewegt.
Kein Zögern mehr. Er nimmt JJ die Waffe ab. Mittlerweile sind fast alle gegangen — und froh darüber, dass sie diese Entscheidung nicht treffen und umsetzen müssen.
Nur ein Moment.
„Vergib mir, Vater, denn ich habe gesündigt."
Der Schuss. Kurz. Endgültig.
Und für einen Moment ist alles… ruhig.
Dann beginnen die Frankfurter mit dem Aufräumen.